Astrologie und das Maß der Dinge

Eine Beschreibung

Für viele Menschen steht das Thema Licht und Schatten, hell und dunkel, angenehm / nicht angenehm im Vordergrund.
Alle würden gerne im Licht, im Hellen, im Angenehmen leben, was das für jeden persönlich auch immer sein und bedeuten mag. Das ist die Ebene der Bedürftigkeit, Wünsche, des Begehrens, der Fülle und des Mangels.
Man fühlt sich integriert, außen vor, fähig oder unfähig.
Und ganz tief innen drin fühlt man sich „gemacht“, bestimmt, abhängig und möchte (im weitesten Sinne des Wortes) frei, autark, stark und kompetent sein.
Es lohnt sich eigentlich nichts so richtig, denn ­- bei Lichte betrachtet – es ist alles schal und leer und eigentlich unbedeutend.

In der Astrologie ist das die Phase: “Die Sterne bewirken bei mir, …. wenn Saturn über Mars läuft, dass ich aufräumen kann und muss.”
“Wann lerne ich meinen Seelenpartner kennen?”
“Was ist mein wirklicher Beruf, meine Berufung?” Was ist meine Lebensbestimmung? Wann ist diese Phase,… jene Phase … zu Ende?
“In dem Monat Soundso ist Pluto über meinen XYZ gelaufen und hat bei mir ZYX bewirkt….”Deswegen freue ich mich über die Kraft der Pluto / fürchte ich die Kraft des Pluto…

Hat man das alles zur Genüge erfahren und die Nase gestrichen voll davon, kommt die nächste Phase. Man nennt sie die objektive Phase, obwohl sie im Endeffekt alles andere als objektiv ist.
Die Phase zeige ich am Beispiel des Themas Licht auf.
Ich erkenne, dass ich wissen will.
Ich erkenne, dass ich alleine bin.
Ich erkenne, dass es ein Gegenüber und damit in der logischen Folge ein zu Erkennendes gibt.
Ich erkenne, dass das Licht aus Welle und / oder Teilchen besteht.
Ich kann nicht erkennen, was das Licht wirklich ist.
Ich erkenne schließlich, dass die Erkenntnis ob das Licht Teilchen oder Welle ist, abhängig von meiner Intention und meiner Sicht auf die Dinge ist.
Ich erkenne, dass ich mit meiner Intention und Sichtweise Welle oder Teilchen schaffe.
Ich erkenne, dass es allgemein so ist: Wie und was ein Mensch erfahren möchte, und je nachdem wie sein Blick auf die Dinge ist, stellt sich das Licht (das Leben) so (Welle) oder so (Partikel) dar. Das erscheint zunächst als die Ebene des Objektiven und Wirklichen, was es jedoch absolut nicht ist.
Man hat die Wahl des Entweder-Oders und es wird nach längeren und im Endeffekt unbefriedigenden Auseinandersetzungen klar, dass man so nicht weiterkommt. Man kann in seiner inneren und kaum wahrnehmbaren Not behaupten: “Licht ist eine Welle” ist die Erkenntnis oder man behauptet: “Licht besteht aus Teilchen.”
Man akzeptiert gefrustet die objektive und unüberwindbar erscheinende Dualität mit einem Sowohl-als-auch oder man will gefrustet und voller Hoffnung (auf die Wahrheit) weiter, und wissen, was echt und Wirklichkeit ist.

In der Astrologie ist es die Phase: Ich erkenne diese Astro-Schule als richtig, jene ist mir suspekt.
Ich verstehe die Planeten und kenne mich in der Astrologie aus. Ich bin Astrologe. Mir ist Astrologie klar und es ist mir auch klar, dass ich nicht alles weiß, weil die Astrologie ein sooo großes Gebiet ist.
Und das Ganze ist von der Intention, die man mit der Astrologie hat, der persönlichen Sicht und der Lebenserfahrung bestimmt.
Oder auch:

Astrologie ist gottgegeben, Astrologie ist das kosmische Gesetz, Astrologie ist die Wahrheit, das Karma, zeigt die Lebensaufgabe oder Astrologie ist… (freie Auswahl)
Man merkt nicht, dass diese Haltung und Praxis natürlich auch von den nicht vorhandenen Intentionen, den nicht gemachten Lebenserfahrungen bestimmt ist.
Das ist weder gut noch nicht gut, das ist so.
Geht man weiter oder bleibt man stehen?

Wenn man dann wirklich weitergehen möchte, kann man nur einen Schritt tun:
(Ich bleibe beim Beispiel „Licht“)
Weder – noch: Weder Teilchen, noch Welle.
Weder Wissen – noch Nichtwissen.
Wenn man das realisiert, dann…
Ja und dann?
Dann steht man zunächst orientierungslos im Nichts herum und merkt noch nicht einmal, ob man dort dumm oder intelligent herumsteht. Man hat nichts, keine Bezüge und ist in einem “Weniger als alleine”. Man kommt nicht voran und kann nicht zurück, weil es das nicht gibt.
Das kann als sehr dumm und blöd erlebt werden.
Zugleich und mit der Zeit wird immer mehr klar, dass das Nichts bei weitem nicht dumm und blöd ist. Es mag nur so erscheinen.
Eigentlich ist man nur selbst.
Eigentlich ist man nur bei sich selbst.
Ich kann, ich bin, ich bin frei.
Das kommt erst mit der Zeit, diese Klarheit. ICH BIN.
Und ICH BIN WIRKLICH ICH.
Es ist eine Freiheit, die ohne Objekte auskommt. Es ist keine “Freiheit von” oder “Freiheit für” etwas.
Es ist Freiheit.
Unverantwortlich, unendlich weit, Freiheit.
Nichts ist kein richtiges Wort dafür, doch immerhin noch das passendste Wort.

In der Astrologie ist es der Zustand:
Ich betreibe Astrologie. Ich berate. Ich liebe Astrologie in allen Formen. Ich liebe, was ich tue, ich spüre und liebe die Menschen. Ich liebe Menschen, ich liebe Beratung.
Ich lache.
Die Qualität meiner Beratung ist Herz.

Dann, wie aus dem Nichts taucht die richtige Frage auf:
Und?
Und?
Und?
Was kommt woher?
Das Nichts, das Objektive, das Bedürftige?
Woher die Liebe, das Lachen?
Und: Was ist das?
Was soll das?
Nicht als Sinn-, sondern als Wissensfrage.
(Die Sinnfrage gehört zu Ebene der Bedürftigkeiten.)

Es ist wie in der Astrophysik: Man kennt soweit alle Antworten in der Theorie, man weiß um Parallelwelten, um den Urknall, doch man kennt keine Parallelwelt und auch nicht den Urknall.

In der Astrophysik wird gesagt, dass die Materie kurze Zeit nach dem Urknall so dicht war, dass sie undurchdringlich ist.
Mag sein, mag nicht sein. Ich kann dazu nichts sagen, weil ich bin nicht von diesem Fach.
In der Mystik/ Meditation finden wir eine ähnliche Problematik.
In der Mystik heißt es, dass vor jeder (wichtigen) Erkenntnis ein unüberwindlich scheinender Wächter steht, der niemanden vorbeilässt.
Man weiß, „dort“ ist die Antwort, doch sie ist „geschützt“ von einem sie umgebenden Wall/Wächter.
(Das erinnert mich an den Roman von Franz Kafka. Das Urteil)
Das Problem scheint nicht nur unüberwindbar.
Das ist es auch!

Und doch…

Irgendwann und eines Tages bröckelt der unüberwindliche Wall/Wächter, wenn man das Nichts endgültig und für allemal erledigt und verwirklicht hat.
Es ist dann so, wenn man das Nichts nicht mehr als das Nichts hat und erlebt, und es so erfüllt hat.

Keine Verzweiflung! Keine Hoffnung!
No hope – no fear ist wirklich geworden. Die Verzweiflung/Hoffnung (ausgelöst durch den Wächter/Wall) zerbröselt.
Der Wächter/Wall wird zu Staub, weil keine Verzweiflung und keine Hoffnung mehr sind.

Der Blick ist frei.
Das Rätsel des Urknalls –  gelöst.

Der Beobachter erblickt sich selbst.

Er ist der Alles und sich Schaffende.
Der Creator Mundi.

Ich sehe und erkenne: mich als den Creator Mundi.

Ich und Es erlebt einen existenziellen Schreck!
Ich/Es ist zwei!
Neiiiin.

Ich/Es erlebt sich/mich als Eins und Zwei.

Klingt der Schreck über die Zeit von Äonen ab, kehre ich zu mir zurück.

Ich kehre in mich selbst ein und bin weder Schaffender, noch Geschaffener.
Es ist weder Ich noch NichtIch.
Es ist WederNoch.
Die Wahrheit ist geboren.

Und mit der Astrologie hat das nichts mehr zu tun, denn die ist analog.

 

 

 

Ein Gedanke zu “Astrologie und das Maß der Dinge

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*